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11.03.2022

Ratschläge zur Vogelfütterung

Ganzjährlich füttern oder im Frühling aufhören?

Etwa 15 bis 20 Millionen Euro geben die Menschen in Deutschland jährlich für Wildvogelfutter aus. Viele Menschen füttern inzwischen ganzjährig. Aber hilft man damit wirklich den Tieren und sollte man jetzt zum Ende des Winters damit aufhören oder doch fortsetzen und eine Ganzjahresfütterung betreiben?

 
Blaumeisen an der Futterstelle

Warum Vogelfütterung?

„Vogelfütterung ist zum Erhalt der Arten nicht zwingend erforderlich“, so Biologe Immo Vollmer, Naturschutzreferent der NI. „Es macht aber Freude, das Verhalten der Vögel zu beobachten und damit viel über die Vögel zu lernen. Auch führt die Vogelfütterung vielen Menschen die Bedeutung des Artenschutzes erstmals vor Augen und wirkt damit auch aktuellen Meinungen entgegen, nachdem Umwelt- incl. Klimaschutz bereits Arten- und Naturschutz sei. Engagierte Menschen werden es auch nicht beim Vogelfüttern belassen.“

Biologe Immo Vollmer schätzt es so ein, dass für die Vögel, die den ganzen Winter bei uns bleiben (sogenannte Standvögel), ausreichend Nahrung vorhanden ist, wenn eine entsprechend vielgestaltige und artenreiche Landschaft noch besteht. Davon kann man aber in vielen Städten, verstädterten Dörfern und v.a. in der offenen Feldflur nicht unbedingt mehr ausgehen.

Dennoch profitieren von der Fütterung v.a. Arten, die häufig und ungefährdet sind. In besonderen Fällen können sich Konkurrenzsituationen sogar ungünstig verschieben, beispielsweise zwischen der häufigen Blau- und Kohlmeise und den selteneren Sumpf-, Weiden- oder Tannenmeisen. So versucht man im Winter in bestimmten Gegenden von Norwegen mit Vorkommen der Lapplandmeise die Meisenfütterung zu reduzieren, da Lapplandmeisen (ähnlich wie die heimischen Sumpf-, Weiden- und Tannenmeise) Strategien entwickelt haben, in Waldumgebung einen harten Winter besser zu überleben als die ansonsten konkurrenzstärkere Blau- und Kohlmeise. Erstere können u.a. in begrenztem Maße eine Vorratswirtschaft betreiben.

 

Warum Ganzjahresfütterung?

Von einer Ganzjahresfütterung dürften besonders die lokal selten gewordenen Haus- und Feldsperlinge profitieren. Deren Kolonien können sich dank Zusatzfütterung besser dort halten, wo Kleintierhaltung und damit zugängliche Getreidevorräte kaum vorkommen und zudem ausgiebige Wildkrautfluren Mangelware sind. Dieses gilt besonders im Frühjahr und Sommer, wo eine größere Spatzenkolonie schon einen erheblichen Nahrungsbedarf entwickelt.

Ganzjahresfütterung kann dort sinnig sein, wo Nahrung in vielen Siedlungsbereichen und in Agrarlandschaften für viele Vogelarten teilweise Mangelware ist. Die Aufzuchtphase stellt für die Elterntiere eine enorme Belastung dar. Da ist es gut, wenn die Versorgung der Elterntiere selbst nicht in Konkurrenz zur Nahrungsbeschaffung für die Jungtiere gerät. Generell differenzieren die Alttiere vom Instinkt her bezüglich der für die Jungtiere benötigten Nahrung und dem eigenen Appetit. Dennoch gibt es besonders im Frühjahr oder auch bei Spätbruten Zeiten, in denen kaum Nahrung vorliegt. So starben 2021 auch im strukturreichen Mittelgebirge viele Bruten der Meisen und auch anderen Vogelarten ab, da späte Kälteeinbrüche die Verfügbarkeit von Insekten stark einschränkte. Später im Jahr ist es v.a. die ausgeräumte Landschaft mit einem nur noch geringem Krautaufkommen, der das Insektenleben limitiert. Erinnert werden soll hier auch an die Forschungsergebnisse der letzten Jahre, wonach die Biomasse bei den Fluginsekten um bis zu 80% abgenommen hat.

Die Fütterung sollte auch nicht übertrieben werden. Die Vögel sollen durchaus „gezwungen“ sein, sich noch artgemäßes natürliches Futter in der Umgebung zu suchen. Die Futtermenge sollte also so bemessen sein, wie es auch in wenigen Stunden verbraucht wird. Das wirkt nicht nur dem Verfall des Futters entgegen, es verhindert auch eine ggf. unerwünschte Fütterung von Kleinsäugern.

 

Saisonal abgestimmtes Futter

Es kann durchaus sein, dass in Engpass-Zeiten die Elterntiere auch weniger geeignete Nahrung verfüttern. Entsprechend sollte man bei der Sommerfütterung feinere Futterbestandteile auslegen. Erwachsene (adulte) Vögel bevorzugen fettreiche Nahrung. Meisenkugeln und eingefettete Körnerflocken kommen zu jeder Jahreszeit gut an. Wer beim Vergleich vom Tiermarkt zum Discounter feststellt, dass teilweise selbst qualitativ hochwertiges Biomüsli für den Menschen teils erheblich günstiger ist als Vogelfutter, kann Getreideflocken auch selbst mit Fett anreichern. Dazu werden diese in einem aufgewärmten Gemisch aus Pflanzenfett und Pflanzenöl geschwenkt. Ein Gewichtsverhältnis von Öl/Fett zu Flocken von 1:10 ist ideal.

Auch darüber hinaus gibt es Rezepte zur Herstellung von Vogelfutter in der Literatur. Der Blick auf die Inhaltsliste von Vogelfutter zeigt aber auch, dass in qualitativ hochwertigem Futter viele Bestandteile enthalten sind, die speziell auf die gefiederten Freunde abgestimmt sind. Man merkt schon, dass alte und dann dann ggf. ranzige Billignahrung von den Vögeln weniger angenommen wird. Ganz abgesehen davon, dass man ggf. auch über Futtermittel eine ökologische Landwirtschaft fördern möchte, die möglichst noch lebendige Feldfluren unterhält.

Fett- und kohlehydratreiche Nahrung dient v.a. der Ernährung der erwachsenen Tiere. Als Aufzuchtfutter wird aber meist proteinreiche Nahrung benötigt. Das ist kaum durch Zufütterung anzubieten. Meisenkugeln mit eingelassenen Mehlwürmern und weiteren Futterinsekten finden nicht nur in der Brutzeit besonderen Zuspruch. Diese sollten auch ohne Netz in speziellen Futterspendern angeboten werden, die auch für andere Arten wie Sperlinge und Finken gut zugänglich sind. Wer Engpasssituationen wie z.B. in einem kalten Frühjahr/Frühsommer für konkrete Brutpaare im eigenen Garten lindern möchte, sollte über die zusätzliche Gabe von lebenden Mehlwürmern und ggf. weiteren Futterinsekten nachdenken.

Bei allen Futtergaben ist aber immer erst einmal mit kleinen Mengen anzufangen um zu sehen, ob die Tiere diese Nahrung annehmen.

 

Ganzheitlicher Naturschutz

Die Vogelfütterung sollte aber immer nur ein kleiner Teil dessen sein, was man für die Tiere machen kann. Ein strukturreicher Garten mit zahlreichen heimischen Sträuchern (besonders solche, die Früchte tragen), Haufen aus Laub und Geäst, wo sich kleine Kerbtiere verstecken aber auch Igel unterkriechen können, Wildkrautbereiche, in denen im Herbst auch überständige Stauden mit einem Rest an Samen belassen werden und wo in den Halmen auch Larven solitär lebender Bienenarten überwintern, sind Orte, an denen viele Tiere vorkommen. Das gilt natürlich auch für Bereiche außerhalb der Ortschaften.

Das Hauptaugenmerk des Naturschutzes muss darauf ausgerichtet sein, dass die Vielfalt von Pflanzenarten und Biotopstrukturen erhalten bleibt und wo es geht vermehrt wird, womit Habitate für viele Arten gewährleistet sind.

 

Vermeidung von Infektionen an der Fütterstelle

Die Corona-Epidemie lehrt, dass Ansammlungen von Individuen mit einem hohen Risiko von Ansteckungen verbunden sind. Das ist beim Menschen nicht anders als bei den Tieren. Dies gilt im Winter, wenn die Vitalität etwas geschwächt ist, aber auch im Sommer, wo sich einige Erreger schnell ausbreiten können. Aus den vergangenen Jahren wurde teilweise ein großflächiges Sterben von Meisen, Grünfinken oder Amseln durch Erreger dokumentiert. Dieses fand oftmals im Umfeld von Fütterungen oder Vogeltränken statt.

Ganz wichtig ist deshalb eine regelmäßige Reinigung der Futterstätte bzw. Tränke (ohne aggressive Chemikalien) und der Einsatz von Futterspendern, wo die Vögel nicht auf dem Futter sitzen und dieses verunreinigen. Auch sollte Futter in Fütterungsautomaten vor Feuchtigkeit geschützt sein, damit es nicht verdirbt. Im Handel ist inzwischen ein reichhaltiges Angebot verfügbar. Natürlich werden auch Futteranlagen angeboten, die nicht mehr gekauft werden sollten. Dazu gehört das klassische große Vogelhäuschen, wo die Vögel auf dem Futter sitzen und die Oberfläche verkoten. Dieses dürfte mehr Vögel töten, als dass es ihnen hilft. Besonders dann, wenn stets nur Futter nachgekippt wird und keine regelmäßige Reinigung stattfindet.

Das inmitten des strukturreichen Naturschutzgebietes „Siebengebirge“ (NRW) von wohl naturliebenden Privatleuten an einem Parkplatz aufgestellte Vogelhaus ist in diesem noch weitgehend intaktem Umfeld nicht nur völlig entbehrlich, es ist auch eine Gefahr. Das fest installierte Futterhaus, wo regelmäßig größere Futtermengen nachgeschüttet werden (ohne es zu reinigen) stellt aufgrund der stark erhöhten Infektionsgefahr eine erhebliche Gefahr für die lokale Vogelwelt dar. Als Anlage die das Tötungsrisiko einheimischer Vogelarten signifikant erhöht, verstößt diese sogar gegen das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) und dürfte gemäß §39 Abs. 1 Nr.1 und §44 Abs. 1 Nr.1 BNatSchG sogar eine Ordnungswidrigkeit begründen. - Foto: Immo Vollmer, NI

 

Hierzu rät auch Dipl.-Biologe und Tierarzt Konstantin Müller, Vorstand der NI:

„Übertragbar sind alle Krankheiten durch engen Kontakt, wie er besonders an Fütterungen auftritt. Diese Situation kann aber auch unter dem Futterspender auftreten wo Vögel heruntergefallene Körner aufnehmen. Buchfinken, Amseln, Rotkehlchen, Heckenbraunelle oder lokal auch Goldammern suchen eher am Boden nach Futter. Dabei können verschiedene Tiere auch unter Futterspendern eng zusammen kommen. Hier kann das Übertragungsrisiko minimiert werden, wenn nur so viel Futter gegeben wird, wie nach wenigen Stunden verbraucht wird und wenn die Futterstelle in der Örtlichkeit gewechselt wird. Zu empfehlen ist auch das Ausstreuen von Futter auf offenen Stellen in wechselnder Lage. Hier reinigt sich die Örtlichkeit während einer Ruhezeit von selbst. Zudem wird es in offener Lage auch vermieden, dass sich Katzen anschleichen können. Wenn im Umfeld von Fütterungen Erkrankungen bei Vögeln auffallen, ist sofort die Fütterung und das Tränken einzustellen. Dieses sollten auch die Nachbarn so machen.“

Diese erkrankte Meise wurde in Bonn von Heinz Schmitt im Mai 2020 fotografiert. Zeitgleich grassierte unter den Meisen (v.a.Blaumeise) eine Epidemie, welche durch ein in Deutschland neuartiges Bakterium (Suttonella ornithocola) ausgelöst wurde. Eine Übertragung ist durch feinste Aerosole möglich, wenn ein erkrankter Vogel mit Anderen eng zusammen kommt. Auch wenn die erkrankten Vögel kaum noch fressen, so wird doch von einem großen Durst berichtet. Infektionen sind u.a. an Vogeltränken möglich. - Foto: Heinz Schmitt

 

Insgesamt scheinen nach Konstantin Müller Krankheitsbilder bei häufigen Vogelarten zuzunehmen. Die zugrundeliegenden Erreger (Viren, Bakterien, Parasiten) sind aber meist nicht neu. Die Häufung von dramatischen Verläufen ist nach seiner Einschätzung ein Hinweis, dass die Tiere vermutlich durch sich verschlechternde Umweltbedingungen (Pestizide, Schadstoffemissionen, Stress durch Störungen) vermehrt geschwächt werden und damit auch anfälliger gegenüber Infektionen werden können.

Dipl.-Biologe Immo Vollmer/NI

Dieser Buchfink mit starken Wucherungen an den Füßen wurde von unserem Mitglied Ingo Kühl (Spangenberg, Hessen) im Winter aufgenommen. Die Wucherungen werden oft durch Milben (wie Krätzmilben) ausgelöst. Auch Viren, wie Papillomaviren und bakterielle Infektionen können zu diesen Wucherungen führen. Es besteht ein hohes Risiko der Übertragung, wenn ein so erkranktes Tier in Mitten einer Futterstelle sich bewegt. - Foto: Ingo Kuehl

Diese erkrankte und apathisch am Boden sitzende Goldammer wurde im April 2020 bei Grevenbroich (NRW) im Umfeld einer stark beschickten Dauerfütterung aufgenommen. - Foto: Immo Vollmer

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DR. WOLFGANG EPPLE
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